GEVAS software feiert Geburtstag
GEVAS software ist am 1. April 2010 dreißig Jahre alt geworden. Für eine Firma, die sich vornehmlich mit der Entwicklung von Software beschäftigt, ist das fast ein ehrwürdiges Alter. Erst Mitte der 1970er Jahre wurden damals so genannte "Mikrocomputer" marktfähig. 1980 war Microsoft noch ein kleines Unternehmen mit 40 Mitarbeitern. Als Programmiersprachen standen FORTRAN, BASIC und COBOL zur Verfügung.
In der Straßenverkehrstechnik in Deutschland tauchten in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre die ersten LSA-Steuergeräte mit Mikrocomputern als Steuereinheiten. Das waren - wenn überhaupt- Rechner mit 8-Bit Prozessoren und einem Adressraum von 64 Kilo-Bits. Verkehrsrechner hatte es schon ein paar Jahre früher gegeben, basierend auf sündteuren 16-Bit-Prozessrechnern, deren Leistung heute bei weitem nicht für ein Smartphone ausreichen würde.
Die erste RiLSA, die Richtlinien für Lichtsignalanlage, erschien 1977.
In dieser Zeit entwickelten die drei Gründer von GEVAS - die Verkehrsingenieure Winfried Humberg und Heinz-Otto Masak und der Mathematiker Herwig Wulffius - die Geschäftsidee, sowohl im Planungsprozess als auch bei der Umsetzung in konkrete Steuerung ausschließlich Computertechnik einzusetzen. Was heute selbstverständlich ist, war damals eine wirklich neuartige Vorstellung in der Verkehrstechnik.
Die GEVAS Ingenieurgesellschaft für Verkehrsplanung, Verkehrstechnik und Anwender-Software hat von Anfang an das Ziel verfolgt, Planung und Umsetzung als Einheit zu betrachten und damit einen neuen Typus von Ingenieurbüro zu entwickeln: das fachlich kompetente Büro, das auch in der Lage ist, die neuen Computertechniken zu nutzen und Softwareprodukte und Systeme zu schaffen. So hat GEVAS maßgeblich daran mitgewirkt, dass die 1980er Jahre zu den "goldenen Jahren" der Straßenverkehrstechnik in Deutschland wurden. Verkehrsabhängige Steuerungsverfahren wurden erheblich weiterentwickelt und die ÖPNV-Beschleunigung auf Basis dezentraler Technik eingeführt.
Zu Beginn der 1990er Jahre tauschten viele Städte ihre Verkehrsrechner der ersten Generation aus. Zugleich wuchs der Bedarf nach standardisierten Steuerungsverfahren. GEVAS brachte mit TRELAN/TRENDS das erste herstellerunabhängige LSA-Steuerungsverfahren in Deutschland auf den Markt. Der Geschäftsbereich Software-Entwicklung erlebte einen starken Aufschwung, was 1999 in der Aufspaltung der GEVAS in die beiden unabhängigen Firmen GEVAS software - Systementwicklung und Verkehrsinformatik und gevas humberg & partner mündete.
Im Jahr 1998 startete das erste große Verkehrsforschungsprogramm des Bundes. GEVAS software hat im Münchner Verbundprojekt MOBINET die ersten Komponenten eines Verkehrsmanagementsystems entwickelt. Diese neue Idee des vorausschauenden Verkehrsmanagements - basierend auf der netzweiten Verkehrlageerkennung und dem gezielten Einsatz von Steuerung und Information - sollte die Verkehrsforschung des gesamten Folgejahrzehnts bestimmen. GEVAS software hat in mehreren weiteren Projekten als Systementwickler und Systemintegrator kräftig mitgewirkt, dass Projekte wie Düsseldorf in Motion (BMWi, 2005-2009) erfolgreich abgeschlossen werden konnten.
Viel Energie und Herzblut hat GEVAS software in den 2000er Jahren in die Entwicklung der verkehrsadaptiven Netzsteuerung gesteckt. Das sind verkehrsmodell-basierte Steuerungsverfahren, die anhand einer Verkehrslageprognose die optimale Steuerung in Grünen Wellen für ein gesamtes Netz finden. Optimal bedeutet hier mathematisch optimal; also nicht nur "gefühlt optimal", sondern mit Optimierungsverfahren berechnet. Einen großen Erfolg konnte GEVAS software im bayerischen Forschungsprojekt TRAVOLUTION erzielen. Genetische Algorithmen optimieren die Netzwellen für das gesamte Hauptstraßennetz der Stadt Ingolstadt. Die Reduzierung der Verlustzeiten an den Lichtsignalanlagen um 32% in der Spitzenstunde sind ein überzeugender Beweis für die Leistungsfähigkeit der neuen Steuerungstechniken.
Mit der Einrichtung von Verkehrsrechnern der dritten Generation hat sich GEVAS software auch als Anbieter dieser Technik etabliert. Dies auch deshalb, weil wir uns seit Ende mehr als 10 Jahren sehr intensiv um die Standardisierung von Schnittstellen in der städtischen Straßenverkehrstechnik engagiert haben - OCIT und OTS sind hier die Stichworte.
Am dreißigsten Geburtstag kann GEVAS software nicht nur auf eine erfolgreiche Vergangenheit schauen, in der wir die Straßenverkehrstechnik im deutschsprachigen Raum mitgestalteten. Wir können auch gespannt in die Zukunft blicken. Durch unsere Firmengründung in Polen unterstreichen wir unser internationales Engagement. Wir sind personell und fachlich gut aufgestellt, die Herausforderungen zu meistern.
"Seit 33 Jahren bin ich in der Straßenverkehrstechnik tätig und habe dabei ganz verschiedene Phasen miterlebt", so der Firmengründer und Geschäftsführer Herwig Wulffius am 30. Geburtstag von GEVAS software. "Zuerst die große Zeit der Lichtsignalsteuerung, als all das erdacht worden ist, was noch heute Verwendung findet: die Etablierung der verkehrsabhängigen Lichtsignalsteuerung, den Siegeszug der Beschleunigung von Straßenbahn und Bus mit dezentraler LSA-Steuerung in allen deutschen Städten, die Aufbruchszeit des Verkehrsmanagements, das von Anfang an als kooperativer Prozess zwischen allen Betreibern verstanden wurde, die großen Möglichkeiten, die uns leistungsfähige Rechner heute bieten - und jetzt der Beginn der kooperativen Systeme, vor allem die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und der Infrastruktur. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass der Stellenwert der Straßenverkehrstechnik für ein Hochtechnologieland wie Deutschland so zunimmt, dass wir wieder den ersten Platz in der internationalen Rangfolge erreichen."

